Oberbürgermeister von
Villingen-Schwenningen

Schulentwicklungsplanung in den Ortschaften

08.02.2022
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Sehr geehrte Elternvertreter in Villingen-Schwenningen,
sehr geehrte Damen und Herren Ortsvorsteher,
sehr geehrte Damen und Herren Schulrektoren!

Am vergangenen Wochenende wurden mögliche, jedoch noch nicht beschlossene Szenarien zur zukünftigen Entwicklung der Grundschulen in den Ortschaften und Grundstufen der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren veröffentlicht. Seither haben Sie sicherlich, genau wie ich, viele Anrufe und Nachrichten von besorgten Eltern und Schulvertreterinnen und -vertretern erreicht.

In den nächsten Jahren werden sich die Zahlen der Grundschüler in Villingen-Schwenningen ändern. Bis 2027/2028 steigen die Schülerzahlen und damit der Bedarf an Schulplätzen. Gründe dafür sind die fortgeschrittene Bevölkerungsentwicklung und Wanderungsströme innerhalb der Stadtgrenzen und Ortschaften auf Basis der Berechnungen der städtischen Statistikstelle. Die neuen/möglichen Baugebiete auf unserem Stadtgebiet sind hierin bereits berücksichtigt. Auch ändern sich im Laufe der Jahre die pädagogischen Anforderungen oder auch einige Schulprofile. Ebenso sind neue gesetzliche Vorgaben wie zum Beispiel der Anspruch auf Ganztagesbetreuung entstanden. Gleichzeitig aber wird es im Bereich der Lehrerversorgung immer schwieriger.

Aus diesen Gründen ist es erforderlich, die Schulentwicklungsplanung (SEP) fortzuschreiben und diese mit Ihnen und den gemeinderätlichen Gremien für die Ortschaften weiterzuentwickeln. Die SEP strebt folgende Ziele an:

Das Amt für Jugend, Bildung, Integration und Sport (JuBIS) hat die Aufgabe, die SEP alle paar Jahre fortzuschreiben und mögliche Szenarien und Auswirkungen daraus aufzuzeigen. Hier befinden wir uns gerade. Vergangene Woche wurden den Ortsvorstehern, den Elternbeiräten und den Schulrektoren deshalb, als erster Aufschlag, die analysierten Zahlen, Daten und Fakten für Villingen-Schwenningen präsentiert. Es handelt sich grundsätzlich um einen ergebnisoffenen Prozess, bei dem alle Beteiligten einbezogen werden.

Entsprechend geht es jetzt, im nächsten Schritt, darum, die Vorschläge und Bedenken aus den Ortschaften und von Schulvertretungen aufzugreifen und in die SEP einfließen zu lassen. Wir haben Sie bewusst frühzeitig in den Prozess eingebunden, bevor politische Entscheidungen getroffen wurden. Insbesondere der Zeitpunkt einer möglichen Umsetzung ist noch nicht definiert und wird letztlich durch den Gemeinderat beschlossen. Das heißt: Ob, wie und zu welchem Zeitpunkt der Schulentwicklungsplan zum Tragen kommt, wird im weiteren Verlauf gemeinsam erarbeitet. Eine Strategie ist auch für die Gebäudeplanung, -sanierung und -renovierung essentiell. Es braucht auch für diesen Themenkomplex eine verlässliche Planung aufgrund der langen Vorlaufzeiten.

Die Ergebnisse und Stellungnahmen aus den Erstgesprächen mit Ihnen gehen dann gesammelt an die Mitglieder des Gemeinderates. Bevor irgendwelche Entscheidungen getroffen werden, werden Stadtverwaltung und Gemeinderat Vertreterinnen und Vertreter aus den Ortschaften und den Schulen im März in einem moderierten Forum zu Wort kommen lassen und gemeinsam konstruktiv diskutieren. Unser Ziel ist es, dass die Entscheidungsträger sich eine faktenbasierte, fundierte, aus verschiedener Sichtweisen entstehende politische Meinung bilden können. Genau aus diesen Gründen ist der direkte Austausch mit den Vertretern gewollt und beabsichtigt.

Erst danach, in ein paar Monaten, geht das Thema in den Verwaltungsausschuss und den Gemeinderat, in dem der Schulentwicklungsplan beraten und gegebenenfalls beschlossen wird.

Dieses abgestufte Verfahren soll Transparenz und Rückläufe aus Betroffenensicht ermöglichen. Nur so können wir etwaige Punkte berücksichtigen, und den SEP gegebenenfalls anpassen. Gerade weil mir durchaus bewusst ist, dass dies kein einfaches Thema ist, welches Emotionen und Sorgen weckt, haben wir diesen Weg des ergebnisoffenen Prozesses gewählt. Gerade weil der Verwaltung und dem Gemeinderat die Ortschaften, Schüler und Familien am Herzen liegen, haben wir diesen Prozess zur Lösungsfindung mit allen Beteiligten und Betroffenen initiiert. Das JuBIS hat hierfür zuerst einmal die Statistiken ausgewertet und die Ergebnisse sachlich analysiert. Diese Fakten können wir nicht ausblenden. Uns nicht damit zu beschäftigen, ist auch keine Lösung, die den Bildungsauftrag der Grundschulen in besserer Qualität voranbringt.

Ich bin sicher, allen Beteiligten ist an einem qualitativ hochwertigen Unterricht mit gut ausgestatteter Infrastruktur den Grundschulen gelegen. Oberstes Ziel muss sein, den Kindern die bestmögliche Bildung zu bieten. Villingen-Schwenningen ist und bleibt ein starker Schulstandort. Ziel ist aber auch eine flexible Strategie zu erarbeiten, um auf absehbare Änderungen und Bedarfe, aber auch mögliche weitere Entwicklungen in der Zukunft reagieren zu können. Dabei werden die Perspektive der Schulstandorte, die pädagogischen Anforderungen und Profile, sowie auch das Thema Lehrermangel im ländlichen Raum eine Rolle spielen müssen. Dazu gehört natürlich auch ein Angebot, wie wir die Kinder unabhängig vom Elterntaxi an die Schulen und wieder zurückbringen.

Deshalb lade ich Sie ein, sich an dem Prozess zu beteiligen, die Chancen und Risiken abzuwägen und uns dann eine Rückmeldung über Ihre Vertreterinnen und Vertreter zu geben. Dafür bedanke ich mich bereits jetzt bei Ihnen und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Jürgen Roth