Oberbürgermeister von
Villingen-Schwenningen

Geplanter Bundeswehrübungsplatz bei Tannheim

28.07.2020
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Liebe Bürgerinnen und Bürger!
Sie haben sicher schon gehört, dass die Bundeswehr beabsichtigt, ihren Standortübungsplatz in Grüningen bei Donaueschingen zu erweitern. Davon betroffen wären wir in Villingen-Schwenningen mit der Gemarkung Tannheim (Ochsenberg). Geplant sind eine Schießanlage für Panzerfaust und Granatpistole, eine Panzer-Teststrecke, eine Handgranatenwurfanlage sowie die Möglichkeit für Biwak-Übungen.

Wir, die Stadtverwaltung und ich, haben mit großer Überraschung die Pläne zur Kenntnis genommen! Die Anlage sehen wir als Stadt kritisch, aus nachfolgenden Gründen:

Durch die Verschiebung von Truppenteilen bzw. bei der Fahrt zum Übungsplatz ist mit vermehrten, kurzfristigen Straßen- und Wegsperrungen zu rechnen. Ebenfalls führen die Ketten der Panzer und das Gewicht der Fahrzeuge zu vermehrten Schäden auf Straßen und Wegen, welche wir als Kommune tragen müssten.

Die Nähe zur Ortschaft Tannheim bringt den Bewohnern zusätzliche Einschränkungen. Wir denken hier an den Immissionsschutz in Sachen Lärm, Licht und je nach Art der Munition und Intensität der Manöver auch an die Geruchsbelästigung. Bei Biwak-Übungen ist auch in Nachtzeiten mit diesen Belästigungen zu rechnen!
Auch denken wir an die Nachsorgeklinik in Tannheim, welche bundes- und landesweit einen hervorragenden Ruf genießt. Das Geschäftsmodell der Nachsorgeklinik fußt unter anderem auf dem hohen Naherholungsfaktor zwischen Schwarzwald und Baar.

Die Einwohner von Tannheim müssen überdies mit einer Entwertung ihrer Flächen bzw. Wohnobjekten rechnen. Und zu guter letzt sind auch unsere Landwirte betroffen. In unmittelbarer Nähe befinden sich Aussiedlerhöfe in welchen Rinder und Schweine gehalten werden. Wir befürchten eine negative Auswirkung auf die Haltung der Tiere.
Dieses Stück Weißwald ist ein Kerngebiet des Naturschutzgroßprojektes „Baar“. Hier liegen zahlreiche wertvolle Flächen die hochschützenswert sind! Wir sehen diese Fläche auch im Hinblick auf den Artenschutz äußerst kritisch. Die Fläche liegt komplett im Vogelschutzgebiet „Baar“ und sind somit generell geschützt!

Da dieses Waldstück nicht im Besitz der Stadt Villingen-Schwenningen ist (sondern im Besitz des Hauses Fürst zu Fürstenberg) sowie angrenzenden weiteren Privatbesitzern haben wir leider keinen direkten Einfluss auf die Verhandlungen.

Die Verwaltung und ich drücken unser Unverständnis aus, wie im Jahre 2020 trotz bestehender Standorte und Alternativen, Erweiterungen für die angekündigte Nutzung angeblich von Nöten sind. Vor dem Hintergrund der herausragenden Bedeutung in Umwelt- und Artenschutz, sind wir der Meinung, kann einer Zerstückelung des Gebietes nicht zugestimmt werden.

Dabei ist mir die Leistung der Soldatinnen und Soldaten sehr bewusst und ringt mir höchsten Respekt ab. Sie riskieren Ihr Leben für die Aufgabe im Ausland und beschützen uns durch Ihre Arbeit. Das hat jedoch nichts damit zu tun, ob ein Übungsplatz in kurzer Distanz zum Standort ist oder man eine Stunde fahren muss. Trotzdem bin ich dankbar, das wir diese Aktiven der Bundeswehr bei uns haben!

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